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41-Stunden-Woche? „Da könnte der Staat vorangehen“

Thomas Gindele, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Handelskammer in Österreich (DHK), kann der Debatte um eine Erhöhung der Arbeitszeit „einiges abgewinnen“ – das sei nicht nur notwendig, um Kosten zu sparen, sondern auch, um den Fachkräftebedarf abzudecken. Er findet: „Der Staat könnte mit einem guten Beispiel vorangehen“. An die Regierungen in Deutschland und Österreich appelliert er, auch größere Reformen anzugehen und von „Buy European“ hält er nur dann etwas, wenn es auch wettbewerbsfähige Produkte aus Europa gibt: „Wenn ein Staat sagt, wir wechseln jetzt von Microsoft auf ein europäisches System, dann würde ich sagen, dagegen ist eine Cyberattacke nichts“.

Thomas Gindele ist Hauptgeschäftsführer der Deutschen Handelskammer in Österreich (DHK) © DHK/Florian Wieser | Montage: Selektiv
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EU-Experte: „Trump ist fast ein Glücksfall für die europäische Integration“

Laut der aktuellen Eurobarometer-Umfrage bewerten nur 51 % der Österreicher die EU-Mitgliedschaft als positiv – einer der niedrigsten Werte in der gesamten Union. Gleichzeitig weist Österreich die höchste Ablehnungsquote auf. ÖGfE-Generalsekretär Paul Schmidt führt dies darauf zurück, dass der Europadiskurs jahrelang fast ausschließlich den Kritikern überlassen wurde. Er fordert eine stärkere europapolitische Verantwortung auf allen Ebenen, eine entschlossene Vertiefung des Binnenmarkts sowie ein selbstbewussteres Auftreten der EU nach außen.

Paul Schmidt ist Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik © ÖGfE | Montage: Selektiv
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Ökonom: „Kosten für die Wirtschaft wären bei einem Berufsheer geringer“

Die geplante Wehrpflichtverlängerung auf „8+2“-Monate würde die österreichische Wirtschaft spürbar belasten – vor allem kleine Unternehmen, die auf Mitarbeiter verzichten müssen. Wifo-Ökonom Michael Böheim schätzt allein die Milizübungskosten bei 50.000 Tagen jährlich auf rund 15 Millionen Euro, während der Staat bis 2037 mit zusätzlichen 250 Millionen Euro Kosten pro Jahr rechnen muss. Zudem werde „reines Verlängern ohne überzeugenden Mehrwert nicht reichen“, kritisiert Böheim. Er plädiert für höhere Bezahlung, einen Pensionsbonus und qualitative Ausbildung, damit der Dienst nicht als reine Bürde, sondern als wertvolle Investition in Führungskompetenzen und Soft-Skills wahrgenommen wird.

Michael Böheim ist Senior Economist am Wifo © Wifo / Eric Krügl / Bundesheer | Montage: Selektiv
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Wifo-Ökonom: „Inflation könnte im Jahresschnitt unter 2,0 % sinken“

Die Inflation lag im Jänner 2026 laut Schnellschätzung bei 2,0 %. Wifo-Ökonom Josef Baumgartner zeigt sich von der Dynamik der Preisrückgänge in Österreich „überrascht“. In allen Bereichen hat sich die Preisdynamik stärker abgeschwächt als erwartet. Mit dem niedrigen Ausgangswert könnte die Jahresinflation sogar unter 2,0 % sinken.

Josef Baumgartner ist Senior Economist am Wifo © Alexander Mueller | Montage: Selektiv
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Brezinschek: „Die Börse war wieder ein Werk des Teufels“

Peter Brezinschek, ehemaliger Chefökonom bei Raiffeisen Research, übt scharfe Kritik an der aktuellen Ausgestaltung der betrieblichen Vorsorgekassen. Die Rendite von 3,6 Prozent im Jahr 2025 sei zwar solide, werde jedoch durch politisch erzwungene Vorsicht – Kapitalgarantien und Entnahmemöglichkeit – massiv gebremst. Ein 30- bis 45-jähriger Anlagehorizont würde deutlich höhere Erträge und einen echten Vermögensaufbau für Arbeitnehmer ermöglichen. Brezinschek fordert eine mutige Reform ohne Kapitalgarantien, mit professioneller Asset-Allokation, höheren Aktienquoten und lebenslanger Bindung des Kapitals.

Peter Brezinschek ist Kapitalmarkt-Experte und ehem. Chefökonom bei Raiffeisen Research © Oliver Wolf / Montage: Selektiv
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Keba-CEO: „Industrie verliert langsam die Geduld“

Christoph Knogler ist CEO der oberösterreichischen Keba und mit seinem Unternehmen einigermaßen gut durch die vergangenen Krisenjahre gekommen, auch, weil es breit aufgestellt ist. „Unser asiatisches Geschäft ist von der Wettbewerbsschwäche Österreichs unbeeindruckt“, sagt Knogler. Die Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeitet aber in Österreich: „Und wenn man sich anschaut, wie sich die Personalkosten in Österreich entwickelt haben, dann spüren wir das“. Er versteht, dass die Spielräume klein sind, hätte sich etwa bei den Lohnnebenkosten mehr Mut gewünscht. „Damit gehen schleichend Arbeitsplätze verloren“.

Christoph Knogler ist CEO von Keba © Keba / Montage: Selektiv
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Handelsverband: „Lebensmittelhandel ist Blitzableiter für politisches Versagen“

Die Senkung der MwSt auf Grundnahrungsmittel von 10 % auf unter 5 % werde „nach Möglichkeit 1:1 an unsere Kundinnen und Kunden weitergeben“, sagt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands. Kritisch sei jedoch die zusätzliche Bürokratie die dies schaffe. „Ich kenne keinen Mitarbeiter, der gratis zur Verfügung steht, um Meldepflichten zu realisieren.“ Die Abschaffung der territorialen Lieferbeschränkungen im EU-Binnenmarkt ist laut Will der „größte Hebel, um leistbare Lebensmittel sicherzustellen.“ Zentrale Probleme des Handels bleiben jedoch die stark gestiegenen Energiepreise sowie die im EU-Vergleich hohen Personalkosten. Der Billigstpreiskampf, der durch die Politik befeuert werde, gefährde langfristig regionale Produktion und Arbeitsplätze.

Rainer Will ist Geschäftsführer des Handelsverbands © Selina-Palla / Montage: Selektiv
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Ökonom: „Aktion 20.000 entfernt Stigma der Langzeitarbeitslosigkeit“

Die 2017 gestartete Aktion 20.000 bot Langzeitarbeitslosen staatlich geförderte Jobs – wurde aber rasch von der Nachfolge-Regierung mit Verweis auf Kosten und Ineffizienz gestoppt. Eine neue Studie des Arbeitsmarktökonomen Martin Halla (WU Wien) kommt nun zu einem gegenteiligen Schluss: „Entgegen allen Befürchtungen war die Aktion 20.000 ein klarer Erfolg“, so Halla. Sie bewirkte eine langfristige Integration in reguläre Jobs und entfernte des Stigma der Langzeitarbeitslosigkeit. Zudem zeigte sich eine weitgehende finanzielle Kostendeckung. „Höhere Steuer- und SV-Beiträge sowie geringere Ausgaben für Arbeitslosigkeit und Frühpension decken rund 68 % der direkten Programmkosten innerhalb der ersten vier Jahre ab“, so Halla. Im Interview erläutert Halla die Schlüsselfaktoren hierfür und Lehren für die neue Aktion 55+.

Martin Halla ist Professor für Gesundheitsökonomie und Digitalisierung an der Wirtschaftsuniversität Wien @ beigestellt / Montage: Selektiv
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Handelsökonom: „Müssen in Zukunft aus Situation wirtschaftlicher Stärke agieren“

Der Außenhandelsökonom Martin Braml sieht Trumps jüngste Zolldrohung als konsequente Fortführung seines unberechenbaren Stils: „Trump unterscheidet erkennbar nicht zwischen Freund und Feind.“ Auch die Existenz von Abkommen schütze einen nicht. Volkswirtschaftlich wären zusätzlich 10-Prozent-Zölle verkraftbar gewesen, der wahre Schaden entstehe jedoch durch geopolitische Unsicherheit und Investitionsrückgang, so Braml. Er rät der EU zu entschlossenen Gegenmaßnahmen und Strukturreformen. „Wir müssen in Zukunft aus einer Situation der wirtschaftlichen Stärke heraus agieren können.“ Nur dann könne man auch Augenhöhe mit den USA und China herstellen.

Dr. Martin Braml (32) ist Außenwirtschaftsexperte und lehrt Handelspolitik an der Universität Passau @ beigestellt / Montage: Selektiv

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Meinung, Reflektion und Standpunkte zum aktuellen Geschehen.
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Handelsexperte: „Ein Handelskrieg würde insbesondere Österreich schaden“

Kein halbes Jahr nach Abschluss des Handelsdeals mit den USA droht US-Präsident Donald Trump mit neuen Strafzöllen gegen einzelne EU-Länder – ausgelöst durch den Streit um Grönland. Ein Handelskrieg würde vor allem exportstarke Volkswirtschaften wie Österreich hart treffen. „Im Handel mit den USA gab es im Vorjahr bereits einen Einbruch um 21 Prozent. Das ist für Österreich besonders schwierig“, analysiert IV-Bereichsleiter Igor Sekardi. Die Souveränität der EU-Staaten sei jedoch eine rote Linie. Europa brauche nun dringend mehr Unabhängigkeit im Welthandel. Nach einer schnellen Ratifizierung von Mercosur sollte man neue Handelspartnerschaften etwa mit Indien und den Vereinigten Arabischen Emiraten zügig vorantreiben.

Igor Sekardi ist Bereichsleiter für Internationale Beziehungen & Märkte der Industriellenvereinigung © beigestellt/Montage: Selektiv
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IV-Ochsner: „Wirtschaftspolitik muss messbar sein“

Es sei gut, dass die Politik erkannt hat, „dass die Industrie ein massives Problem hat“, sagt der Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich, Kari Ochsner. Jetzt gehe es aber um die Umsetzung: „Es ist jetzt nicht die Zeit für Reförmchen, wir brauchen echte Reformen“. Was ihm fehlt, sind Strukturreformen bei Pensionen und Gesundheit, um Spielräume zu schaffen für Investitionsanreize. Das sei den Menschen zumutbar. Das gelte auch für ein Anheben der Arbeitszeit – wenn Metaller 39,5 statt 38,5 Wochenstunden arbeiten würden, würde sich das im BIP mit Milliarden niederschlagen.

Kari Ochsner ist Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich © IV NÖ / Marius Höfinger / Montage: Selektiv
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Ökonom: „Der Staat ist das größte Wachstumsproblem“

Die jüngsten Konjunkturprognosen zeigen für 2025 und 2026 wieder leicht positives Wachstum. Hanno Lorenz, stv. Direktor der Agenda Austria warnt jedoch vor zu viel Optimismus: „Bei rund 1 Prozent Wachstum den großen Aufschwung zu sehen, halte ich für schwierig. Der Wohlstand pro Kopf ist in Österreich dann sechs Jahre lang stagniert.“ Als zentrales Wachstumshemmnis sieht er vor allem den Staat, da sich dieser „in sehr viele Bereiche hineingezwängt hat und eine Abgabenbelastung erzeugt, die Unternehmen und Beschäftigten die Luft abschnürt.“ Lorenz analysiert die fehlende Investitionsstimmung, strukturelle Reformdefizite und erklärt, warum 2026 mehr als kleine Korrekturen nötig sind, um Österreich wieder auf Wachstumskurs zu bringen.

Hanno Lorenz ist stv. Direktor der Agenda Austria © Markus Rössle / Montage: Selektiv
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IV-Chefökonom: Für einen Aufschwung bräuchten wir 2-3 % Wachstum

Von einem klassischen Aufschwung könne heuer kaum die Rede sein, sagt Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung. Dafür brauche es „vorübergehend mindestens zwei Prozent, besser zweieinhalb bis drei Prozent BIP-Zuwachs“. Dass das nicht drin ist, ist der „deprimierende Befund nach einer dreijährigen Rezessions- beziehungsweise Stagnationsphase“ und zeige, dass es sich um ein strukturelles Problem handelt.

Christian Helmenstein ist Chefökonom der Industriellenvereinigung © IV / Montage: Selektiv
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IV-Generalsekretär: „Von einem Aufschwung ist keine Rede“

„Im Wesentlichen müssen wir uns selbst am Schopf aus dem Sumpf ziehen und dazu gehört auch, neue Märkte zu bearbeiten, idealerweise begleitet von Handelsabkommen“, sagt er im Interview. Europa müsse seine Hausaufgaben machen und in Beziehung zu den USA wieder Augenhöhe erlangen. Für Österreich wünscht er sich, dass die nahende Industriestrategie auch Maßnahmen bringt, „die über das Regierungsprogramm hinausgehen“. Dann könne diese Strategie sinnvoll und sogar überraschend sein. Zudem brauche es eine Antwort auf den deutschen Industriestrompreis, um nicht eine weitere Abwanderung von Produktion zu riskieren.

Christoph Neumayer ist Generalsekretär der Industriellenvereinigung © IV/ Montage: Selektiv